Der in Japan seit Langem überaus erfolgreiche Backside-Soft-Gummi ist „Mark V“. Als er 1969 auf den Markt kam, hieß es über diesen Gummi, er springe zu stark und sei unbrauchbar; heute wird er als „für Anfänger“ verkauft. Dieser Artikel wurde 2020 in einer Sonderausgabe von O-KOKU veröffentlicht. (Aus dem Beitrag „Longseller-Monster“ in der Sonderausgabe „Tischtennis-Equipment 2020“)
Yasaka brachte als erster Hersteller weltweit Backside-Soft-Gummi auf den Markt. 1969 setzt „Mark V“ neue Maßstäbe
Der frühe Beginn der 1950er Jahre war eine Zeit der Blüte vieler Gummiarten. Zusätzlich zum seit etwa 1902 auftauchenden und lange verwendeten Einlagen-Gummi erschienen der Schwamm, der umgedrehte Backside-Gummi, der zweilagige Backside-Gummi mit zwei übereinander gelegten Backside-Gummischichten. Darüber hinaus wurden auch der auf Schwamm kaschierte Noppen-außen-Gummi und der auf Schwamm kaschierte Backside-Soft-Gummi entwickelt. Im Vergleich zum standardmäßigen Einlagen-Gummi wurden sie als „Spezialgummi“ bezeichnet.
Den heute dominierenden Backside-Soft-Gummi zuerst zu entwickeln und zu verkaufen, war Yasakas Leistung. Damals wurden Backside-Soft-Gummis als „Soft-Gummi“ oder „Sandwich-Gummi“ bezeichnet; der weltweit erste Backside-Soft-Gummi wurde unter dem Namen „Soft Rubber“ verkauft. Da „Soft Rubber“ jedoch zur gängigen Bezeichnung für Backside-Soft-Gummi wurde, änderte Yasaka den Produktnamen in „Original“. In diesem Namen steckt die Bedeutung, dass dieser Gummi der erste, also originale Backside-Soft-Gummi ist. Das ist der Urgummi des Backside-Soft-Gummis.
In einer Zeit ohne Dickenbegrenzung für Gummi wurde Toshiaki Tanaka 1955 Weltmeister mit einem 7-mm-„Original“. 1959 wurde die Regel geändert und die Gummidicke auf höchstens 4 mm begrenzt; bis zur Mitte der 1960er Jahre wurde das auf Naturgummi basierende „Original“ zum Standard unter den Backside-Soft-Gummis.
Den Wandel brachte 1967 Butterflys „Sriver“. Es wurde aus vulkanisiertem Naturgummi und Synthesegummi hergestellt und steigerte Elastizität und Rotation deutlich. Zwei Jahre später brachte Yasaka als Antwort „Mark V“ auf den Markt. Einer Theorie zufolge wurde „Mark V“ zwar zeitgleich mit „Sriver“ entwickelt, doch weil seine Leistung zu gut war, beobachtete Yasaka zunächst, ob dieses Produkt vom Markt angenommen werden würde. Diese beiden Gummis wurden als „hoch elastischer, hochgriffiger Backside-Soft-Gummi“ bezeichnet.
Anfangs wurden sowohl „Sriver“ als auch „Mark V“ von den Spielern mit dem Hinweis gemieden, sie sprängen zu stark und ließen sich nicht kontrollieren. Japans Topspieler, die „Original“ verwendeten, zögerten, diese beiden Gummis einzusetzen; währenddessen wagten europäische Spieler mutig den Schritt zu den neuen Gummis. Zuerst begannen ungarische Spieler mit „Sriver“, danach begannen schwedische Spieler mit „Mark V“.
Der große Wendepunkt war dann die Weltmeisterschaft 1971 in Nagoya. Im Herren-Einzel gewann der Schwede Bengtsson mit „Mark V“, im Herren-Doppel siegten die Ungarn Jónyer und Klampár mit „Sriver“. Es waren die ersten Weltmeistertitel mit hoch elastischem, hochgriffigem Gummi.
Von da an glitt die Tischtenniswelt schlagartig in die Ära von „Mark V“ und „Sriver“. Natürlich war auch Japan keine Ausnahme. Diese beiden Gummis ähnelten sich in ihrer Leistung und auch in ihrem Herstellungsrezept stark. „Mark V“ verwendete einen cremefarbenen Schwamm, „Sriver“ einen orangefarbenen Schwamm, und unter den Spielern hieß es: „Mark V greift den Ball gut, hat ein gutes Ballgefühl und erzeugt schwere Rotation“; „Sriver ist etwas direkter im Ballflug und eignet sich auch besser für den Smash“. Die Wahl hing letztlich nur von kleinen Unterschieden im Gefühl der Spieler ab.
Später bestrich man in Europa die Gummis mit flüchtigem Kleber (Speed Glue), dehnte die Gummis dadurch aus und gab ihnen Spannung, wodurch die Elastizität der Gummis deutlich gesteigert wurde. „Mark V“ und „Sriver“ wurden mit Speed Glue bestrichen, und auch das später erschienene „Bryce“ (Butterfly) wurde so behandelt; Tischtennis trat in die Ära der extremen Beschleunigung ein. Dieser Trend hielt bis zum Verbot von Speed Glue im Jahr 2008 an.
Mit dem Verbot von Speed Glue glaubte jeder, dass „Mark V“ und „Sriver“ als Produkte praktisch ihr Ende erreicht hätten. Besonders „Tenergy“ (Butterfly), das in jenem Jahr auf den Markt kam, führte die Entwicklung vom Speed-Glue-Zeitalter in eine neue Ära des Materials über und prägte den Trend zu spinorientierten Tensor-Gummis.
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