Um der Stimme von Xu Yinsheng, einem Zeugen der Geschichte des chinesischen Tischtennis, zu lauschen, waren ein paar Stunden Interview viel zu kurz. Doch selbst darin ging er auf das im chinesischen Tischtennis tabuisierte Problem der „Siegersteuerung“ ein. Auf diese Frage, die man früher nicht einmal auszusprechen gewagt hätte, antwortete er geschickt.
Das chinesische Tischtennis hat sich verändert. Das dürfte daran liegen, dass sich die chinesische Gesellschaft rund um das Tischtennis stark gewandelt hat. Inmitten dieser Umbrüche blickte Xu Yinsheng auf den Lauf der Geschichte und richtete eine Botschaft an die Welt und an Japan. <2009>
Übersetzung = Kinuko Iseki, Qing Xie und Taro Yanagisawa Foto = Kazuhiro Takahashi Zusammenarbeit = Ping Pong Sekai
Wir haben den Satz „Ohne Fortschritt gibt es Rückschritt“ aus unseren Fehlern gelernt. Gerade in der Blütezeit muss man die Entwicklungsrichtung des Tischtennis ausreichend vorausahnen
Xu Yinsheng / Shu Inshon (Jo Insei)
Geboren am 12. Mai 1938 in Shanghai. Er war das jüngste von acht Geschwistern. Sein Spielstil: Rechtshänder mit Penholder, kurze Noppen auf der Vorhand, Fast attack. 1955, als er die Shanghai Guangda Mittelschule besuchte, wurde er Mitglied des Shanghai-Studententeams, im folgenden Jahr des Shanghai-Stadtteams. 1959 kam er in die Nationalmannschaft und debütierte im selben Jahr bei den Weltmeisterschaften in Dortmund. Bei den 26. Tischtennis-Weltmeisterschaften 1961 trug er als Schlüsselspieler der Herrenmannschaft dazu bei, dass China erstmals den Titel im Herrenteam gewann. Bis zur Weltmeisterschaft 1965 in Ljubljana nahm er an vier Weltmeisterschaften in Folge teil. Er gewann insgesamt vier Goldmedaillen: drei im Herrenteam und eine im Herrendoppel. Für seine kluge Spielweise wurde er als „Zhiduoxing“ gelobt. 1977 wurde er stellvertretender Leiter der Staatlichen Kommission für Körperkultur und Sport (heute Staatliche Generalverwaltung für Sport) – stellvertretender Sportminister. 1979 wurde er der zweite Präsident des Chinesischen Tischtennisverbands und wirkte 30 Jahre lang als Spitze des chinesischen Tischtennissports. 1995 folgte er Rolf Hämmerland als fünfter Präsident des Internationalen Tischtennisverbandes (ITTF) nach (Rücktritt 1999). 2009 trat er als Präsident des Chinesischen Tischtennisverbands zurück und wurde dessen Ehrenpräsident
Ich denke, auch die „Innovation“ des chinesischen Tischtennis hat dazu beigetragen. Aber früher war Japan noch viel beeindruckender
Nach der Weltmeisterschaft 1965 wurde China durch die inneren Machtkämpfe der sogenannten „Kulturrevolution“ beeinflusst; die Tischtennismannschaft verschwand von der internationalen Bühne, kehrte jedoch 1971 bei der Meisterschaft in Nagoya zurück. Doch in den 70er Jahren litt China selbst unter den Nachwirkungen. Mit der Reform der Spielstile und dem Wechsel des Materials durch Spieler wie Li Jingguang, Xi Enting, Liang Geliang, Ge Xin'ai, Lu Yuansheng und Guo Yuehua sowie dem Auftreten jener Spieler, die als „Geheime Waffen“ bezeichnet wurden, probierte China bei jedem Turnier erneut unterschiedliche Ansätze aus.
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Xu Yinsheng Das chinesische Tischtennis hat stets nach Veränderung gestrebt. Ich denke, auch die „Innovation“ des chinesischen Tischtennis hat zur Entwicklung des Welt-Tischtennis beigetragen. Aber früher war Japan noch viel beeindruckender. Als der von Japan entwickelte „phantomhafte“ Loop-Topspin auftauchte, geriet die Tischtenniswelt in Aufruhr. Auch das Spinbelag wurde in Japan entwickelt.
In den letzten Jahren werden verschiedene Regelreformen vorangetrieben, um Tischtennis zu einem spannenden und unterhaltsamen Sport zu machen, aber wir machen manchmal diesen Scherz: „Wenn man den Loop-Topspin einschränken und die Verwendung von Spinbelag verbieten würde, wären die Tischtennis-Matches noch spannender.“ Natürlich ist das in Wirklichkeit genau das Gegenteil. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, und es würde wohl nicht einmal zu einem Match kommen.
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