BOOK Aus dem von Olympiasieger Jun Mizutani verfassten Buch „Wer verliert, macht unnötiges Training“
2016 brachte der japanische Tischtennisspieler Jun Mizutani das Buch „Wer verliert, macht unnötiges Training“ heraus. Genau in diesem Jahr, in dem er das Werk veröffentlichte, gewann er bei den Olympischen Spielen in Rio die Bronzemedaille im Einzel. Außerdem spielte er im Team Match als Nummer eins eine entscheidende Rolle und führte die Mannschaft zur Silbermedaille.
Fünf Jahre später, bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio, gewann Mizutani im Mixed Doubles die lang ersehnte Goldmedaille und im Team Match die Bronzemedaille und wurde damit zu einem der erfolgreichsten Spieler in der japanischen Herrentischtennisgeschichte.
PHOTO Yoshinori Eto
Profil Jun Mizutani
みずたに・じゅん
Geboren am 9. Juni 1989, aus der Präfektur Shizuoka. Er gewann bei den All-Japan-Meisterschaften in allen Altersklassen (z. B. U12) in sämtlichen Disziplinen den Titel und stand später auch in der Juniorenklasse (U17) ganz oben. Zudem setzte er in der allgemein offenen Klasse der über 90 Jahre alten „All Japan Table Tennis Championships“ mit insgesamt zehn Titeln einen beispiellosen Meilenstein. Er nahm an vier Olympischen Spielen in Folge teil, beginnend 2008 in Peking. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio holte er Bronze im Einzel und Silber im Team Match, bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio gewann er Gold im Mixed Doubles und Bronze im Team Match. Er gilt als einer der erfolgreichsten Spieler in der Geschichte des japanischen Tischtennis. Derzeit ist er als Kommentator im Fernsehen und anderen Medien aktiv.
Kapitel 1: „Training, das im Match nützt“, und „unnötiges Training“
„Training zum Trainieren des Vorhersagens“ bedeutet, im Training Situationen zu schaffen, die man selbst nicht vorhersagen kann
Durch Training, das dem Wettkampf nahekommt und hohe Anforderungen stellt, soll man im Match unbewusst reagieren können
In letzter Zeit stelle ich beim Training hohe Anforderungen an meinen Opponent.
Zum Beispiel mache ich das Training „3-Punkt-Footwork“. Dabei lässt man Bälle auf Vorhand → Middle → Backhand → Vorhand → Middle → Backhand spielen und beim siebten Ball weit zur Vorhand springen, um den Return zu machen. In diesem Training fordere ich bei den Bällen zur Vorhand: „Spiel so scharf, dass ich ihn nicht nehmen kann.“ Und beim achten Ball soll sehr hart in die Backhand gespielt werden, sodass ich von dort aus frei werde.
Bei einem anderen Training serviere ich selbst und lasse Stop shots auf die ganze Tabelle machen. Das spiele ich dann alles per Flick in die Backhand des Opponent, also fordere ich: „Schlag den vierten Ball so hart auf meine ganze Tabelle, dass ich ihn nicht nehmen kann.“ Wenn ich countern kann, tue ich das, und wenn nicht, mache ich einen Block. Danach wird eine Rally auf die hintere halbe Backhand des Opponent gegen meine hintere halbe Backhand gespielt. „In dem Moment sollst du den Ball mit mehr Länge spielen oder No spin einbauen und das Tempo variieren“, fordere ich. „Ab da spielst du frei und schlägst so hart auf meine Vorhand, dass ich ihn nicht nehmen kann“ – auch solche Trainings mache ich, in denen ich den Opponent dazu auffordere.
Das dritte Training, das ich vorstellen möchte, ist ein Receive mit Chiquita auf die Backhand eines Rechtshänders. Dabei fordere ich: „Schlag hart auf die ganze Tabelle.“ Den geschlagenen Ball spiele ich dann per Counter oder Block auf die Backhand des Opponent. Danach, während das Tempo variiert wird, lässt man mir ein oder zwei Bälle auf die Vorhand und ein oder zwei Bälle auf die Backhand blocken; und wenn auf die Middle gespielt wird, wird die ganze Tabelle frei.
Diese wettkampfnahen Trainings mit hohen Anforderungen sind Trainings, bei denen der Opponent sich nicht langweilt, und sie sind auf mein eigenes Match ausgelegt. Der Opponent blockt nicht einfach nur normal, sondern stoppt den Block immer wieder kurz, spielt ihn länger oder zieht ihn. Ich muss verlangen, dass der Opponent die Returns mit Variation spielt, und meinen Körper so trainieren, dass er darauf reflexartig reagieren kann.
Da der Ball des Opponent in etwa 0,2 bis 0,5 Sekunden an meine Tischhälfte kommt, ist im Tischtennis keine Zeit mehr, erst im Kopf nachzudenken. Wenn man durch Training keinen Körper aufbaut, der unbewusst reagieren kann, kann man im Match nicht gewinnen.
*Stop shot = Technik, den Ball kurz auf der gegnerischen Tischhälfte zu stoppen
*Flick = Technik, einen Ball über dem Tisch mit Spin schlagartig anzuspielen und dabei auch anzuspitzen
*Chiquita = Backhand-Angriffstechnik, bei der ein Ball über dem Tisch mit topspin oder sidespin zurückgespielt wird. In den letzten Jahren ist diese Technik vor allem bei jungen Spielern populär geworden. Sie wurde „Chiquita“ (Banane) genannt, weil der Ball wie eine Banane gebogen fliegt. Wird häufig beim Receive verwendet
*Block = Defensivtechnik, um Topspin oder Smash des Opponent zu stoppen
*No spin = Ball ohne Spin
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